Der Ursprung des Bleistiftes liegt wohl
im 16. Jahrhundert und zeigt auf, wie sehr sich ein alter und immer schon falscher Begriff
bis heute halten konnte. "Bleistift" ist vom Begriff her grundsätzlich
verkehrt, denn der Graphitstift, so die korrekte Bezeichnung, beinhaltet keinerlei Anteile
von Blei. Der Name resultiert vielmehr daraus, daß man im Mittelalter Graphit für eine
Art Blei gehalten hatte.
Die Überlieferung erzählt, daß sich im späten Mittelalter in
Cumberland in Groß- britannien, Schäfer einen vom Sturm gefällten alten Baum fanden, in
dessen Wurzeln eine grauschwarze Masse schimmerte. Diese konnten sie gut zur Kennzeichnung
ihrer Schafe verwenden.
Daß es sich dabei um Graphit handelte, einem kristallisierten
Kohlenstoff, konnte erst der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele im Jahre 1778
nachweisen. Der Name Graphit ist vom griechischen Wort "grafein" abgeleitet, das
soviel wie "schreiben" bedeutet. Das englische Wort für Graphit lautet
"plumpago" und bedeutet soviel wie "ähnlich dem Blei". Daher auch der
Name "Bleistift".
Es hatte sich sehr schnell herumgesprochen, daß man mit diesem Graphit, das
man auch "Bleyweiß" nannte, gut schreiben kann. Aus dem Graphitbrocken wurden
viereckige Stäbchen geschnitten, mit denen man - ähnlich wie mit einem Griffel -
schreiben konnte. Man begann sehr bald in England damit, diese Graphit-Stäbchen in Holz
zu fassen. Damit waren sie handlicher, bruchstabiler und die Finger des Schreibers blieben
sauber.
Diese Form der Bleistift-Herstellung kam auch bald nach Deutschland. Reisende
Handwerker brachten die Ideen nach Nürnberg mit, wo nachweislich bereits in den sechziger
Jahren des 17. Jahrhunderts manuell Bleistifte gefertigt wurden.

Der dafür benötigte Graphit mußte aus den Gruben von Borrowdale in England
importiert werden. Graphit aus der Nähe von Passau oder aus Österreich war nicht rein
genug um daraus Bleistifte zu machen. Der Borrowdale-Graphit wurde aber knapp und zu teuer
und die Engländer verboten zeitweise die Ausfuhr dieses strategisch wichtigen Gutes.
Als Alternative erwies sich da die Erfindung, die der französische
Ingenieur Jacques Conte im Jahre 1795 machte. Durch die Herstellung von Schmelztiegeln,
die für die Fertigung von Kanonenkugeln benötigt wurden, hatte Conte Erfahrung mit dem
Material Graphit. Er pulverisierte verunreinigten Graphit, reinigte ihn durch
ausschlämmen und vermischte ihn dann mit Ton und Wasser. Die Masse wurde in lange,
rechteckige Formen gestrichen und getrocknet. Anschließend wurde sie mit Holzkohle
verpackt in Keramikgehäuse eingeschlossen und bei hohen Temperaturen gebrannt.
Mitte des 19. Jahrhunderts war dieses Verfahren weitverbreitet. Es ist auch
heute noch die Grundlage der Bleistiftherstellung.